Meine Stammzellspende

Ganz wichtig: Bitte nicht abschrecken lassen. Manches hört sich vielleicht etwas schlimmer an als es eigentlich ist.

Tatsache ist, dass es zumindest bei mir nicht ohne Nebenwirkungen ablief. Ich hatte die Tage vor der Spende und bis kurz danach, teilweise stärkere Schmerzen. Ich habe allerdings auch nur 2 mal Schmerzmittel genommen. Man dürfte auch mehr Schmerzmittel nehmen, und es ist auch nicht gesagt das jeder diese Schmerzen hat.

Mit dem Wissen im Kopf, warum man diese Schmerzen hat, warum man das alles tut, lassen sich Schmerzen ganz anders ertragen, als wenn man Schmerzen hat weil man Krank ist.

  • Fragen dürfen gerne unten als Kommentare gepostet werden. Ich werde versuchen alle zu beantworten.

Vorgeschichte:

Vor knapp 2 Jahren habe ich mich bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) typisieren lassen. Damals wurde für die Typisierung Blut entnommen, heute kann das noch einfacher über einen Abstrich der Wangenschleimhaut mit einem Wattestäbchen gemacht werden.

Durch anklicken des Bildes kommt man sofort zum Registrierungsformular der DKMS

Sommer 2011

Während meiner Zeit als Zivi erhielt ich von der DKMS Post und einen Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde das ich evtl für einen Patienten als Spender in Frage komme. Nachdem ich gesagt habe das ich bereit wäre zu spenden, habe ich ein Set zugeschickt bekommen mit dem ich zu meinem Hausarzt gehen musste. Dieser  nahm mir 30 ml Blut ab für eine sogenannte Bestätigungstypisierung. Dabei wird das Blut genauer untersucht um die Gewebemerkmale genau zu analysieren.

Ein paar Wochen später wurde mir mitgeteilt das ich für den Patienten tatsächlich in Frage komme, und bis Mitte Dezember für diesen reserviert bin. Allerdings war nicht klar ob es überhaupt zu einer Spende kommt, und welche Entnahmemethode in Frage kommt.

Damals kam es zu keiner Spende, ich weiß nicht warum. Am wahrscheinlichsten ist, dass es einen anderen Spender gab, dessen Gewebemerkmale genauer gepasst haben. Ich war somit als „Reserve/Backup“ geplant, für den Fall das der gewünschte Spender ausfällt.

20.11.2012

In der Mittagspause klingelte das Telefon, und eine Mitarbeiterin der Firma Cellex informierte mich, dass eine Klinik mich gern als Spender für einen Patienten hätte. Als erstes wurde ich gefragt, ob ich überhaupt noch bereit wäre zu spenden. Ich sagte natürlich ja, und dachte jetzt werde ich wieder für jemand reserviert, und dann muss man mal schauen ob was passiert, aber sie hatte gleich konkrete Infos für mich.

Sie erzählte das die Ärzte eine Periphere Stammzellenentnahme machen möchten, einfach gesagt wird dabei an beiden Armen ein venöser Zugang gelegt, auf der einen Seite wird das Blut entnommen, eine Maschine filtert die Stammzellen heraus und auf der anderen Seite wird das restliche Blut wieder eingeleitet.

Der Spende-Termin wird am 7./8. Januar sein, man veranschlagt 2 Tage damit man am 2. Tag nochmals spenden kann, wenn am ersten Tag noch nicht genug Stammzellen herausgefiltert werden konnten. Ca. 3-4 Wochen vorher wird eine Voruntersuchung in der Klinik gemacht, diese wird zwischen dem 10. un 13.12. stattfinden.

Ich muss sagen, man wird wirklich sehr gut über alles informiert was auf einen zukommt, die Mitarbeiter sind am Telefon sehr freundlich und haben auch Zeit alles genau zu erklären und Fragen zu beantworten.

23.11.2012

Heute habe ich erfahren das die Voruntersuchung und auch die eigentliche Spende in Tübingen stattfinden wird. Ich kann wählen ob ich mit dem Zug oder mit dem Auto anreisen will. Die Cellex-Mitarbeiterin hat mir auch schon ein Hotel gebucht und alles soweit vorbereitet.

10.12.2012

Heute morgen bin ich mit dem Zug nach Tübingen gefahren. Mit dem Taxi ging es dann direkt in die Medizinische Klinik.

Dort startete eine kleine Schnitzeljagd. Nachdem ich mich erstmal etwas verlaufen habe, begann ich mich einfach durchzufragen wenn ich mir nicht sicher war wo ich hin muss. Das Klinikgebäude/-Areal ist wirklich sehr groß und wenn man das erste mal da ist kann man leicht überfordert sein. Aber man kann jeden der Mitarbeiter fragen, jeder gibt freundlich Auskunft.

Nach der Blutabnahme, Sonographie, EKG und einer Untersuchung wurde ich ausführlich von der zuständigen Ärztin über die geplante Entnahmeart, die alternative Knochenmarkentnahme, die Nebenwirkungen und Risiken… aufgeklärt. Als nächstes wurde erklärt wie man das Medikament (Wachstumsfaktor den man sich mehrere Tage vor der Spende Morgens und Abends spritzen muss) mischt und sich in den Bauch spritzt.

Nachdem wir (2 weitere Spender und Ich) noch das Zimmer in dem die Leukapherese durchgeführt wird besucht haben und ein paar Worte mit Personen wechseln konnten die an diesem Tag gespendet haben, bekam ich meine Spritzen und Medikamente. Nach einer weiteren Blutabnahme zur genaueren Untersuchung weniger Werte die bei mir leicht unter der Norm sind bekam ich noch einen Essensgutschein und wurde „entlassen“.

Beeindruckt haben mich an diesem Tag folgende Dinge:

1. Die Organisation, Ich musste mich nicht um Zugticket, Busverbindung zur Klinik… kümmern. Alles wurde für mich organisiert, ich holte einfach am Automat mein Ticket ab, und konnte frei wählen welche Zugverbindung ich nutze. Zur Klinik durfte ich mit dem Taxi fahren.

2. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter, Obwohl nicht nur ich leichte Orientierungsschwierigkeiten im Klinikkomplex hatte, reagierten die Klinikmitarbeiter nicht genervt und erklärten jedem den Weg zum gewünschten Ziel. Ich wurde teilweise sogar von Mitarbeitern angesprochen wo ich denn hin möchte wenn diese gesehen haben das ich die Schilder an der Decke nach meinem Ziel absuchte.

3. Beratung, Wie auch schon in den Vorgesprächen wird man sehr gut informiert was auf einen zukommt. Selbst auf Nebenwirkungen die nur einmal Weltweit aufgetreten sind wird man hingewiesen. Mir hat auch gut gefallen das wir den Raum und die Geräte besichtigen durften an welche wir bald angeschlossen werden. Wenn man schon jemand anderes gesehen hat der an das Gerät angeschlossen ist fällt viel Ungewissheit ab.

4. Sicherheit, Man wird wirklich gründlich untersucht um jegliches Risiko für den Spender auszuschließen. So einen guten „Gesundheitscheck“ bekommt man beim Hausarzt nicht. Ich habe nicht nur die Chance jemand anderem zu helfen, sondern weiß jetzt auch über mich und meinen Gesundheitszustand Bescheid. Man bekommt auch die ganzen Unterlagen/Daten ausgehändigt.

03.01.2013

Heute musste ich anfangen mir das Medikament zu Mobilisierung der Stammzellen zu spritzen. Heute morgen habe ich aber wohl den Fehler gemacht direkt nach dem Aufstehen (als mein Kreislauf leider noch nicht fit war) zu spritzen. Der Gedanke war, es hinter mich zu bringen bevor ich wach genug bin um mir lange Gedanken zu machen mir die Nadel in den Bauch zu drücken.

Die Kombination, Kreislauf noch nicht Fit und dann die Spritze in den Bauch war nicht gut. Mir ist etwas schwindelig geworden, und mein Kreislauf kam den ganzen Morgen nicht mehr richtig in Schwung. Mittags war der Kreislauf dann wieder in Ordnung, aber so langsam spürte ich mein Becken und den unteren Rücken. Eine mögliche Nebenwirkung der Mobilisierung können Gliederschmerzen sein. Ich gehöre wohl zu diesem Teil Spender die durch die Stammzellmobilisierung Schmerzen im Bereich der Knochen bekommen die hauptsächlich für die Blutbildung zuständig sind. Das sind vor allem die flachen Knochen.

In irgendeinem Blog/Erfahrungsbericht habe ich mal eine Erklärung für diese Schmerzen gelesen. Ich weiß nicht ob diese Medizinisch Korrekt ist, aber ich kann mir das gut vorstellen das es so in etwa zu Stande kommt: Durch das Medikament werden ja vermehrt Zellen in den Knochen gebildet. Da diese dort überschüssig sind wandern sie durch den Knochen nach „außen“ in die Blutbahn. Wenn sich jetzt so viele Zellen da durchdrücken müssen, führt das zu Schmerzen.

Heute Abend habe ich das 2. mal das Medikament injiziert. Diesmal hat es schon viel besser geklappt. Heute morgen hatte ich erst das Problem, das ich die Nadel im Bauch hatte und dann gemerkt habe das ich in dieser Position garnicht die Flüssigkeit reindrücken kann. Also Nadel wieder raus, andere Bauchseite desinfiziert und da hats dann geklappt.

Das pieksen ist nicht so schlimm, beim Arzt hatte ich auch noch nie Probleme wenn ich Spritzen bekam, auch nicht beim Blutabnehmen. Aber wenn man dasitzt und sich selber spritzen soll ist das was anderes, weil man weiß das es gleich etwas weh tut, und das sich selbst antun muss. Da muss man sich doch etwas überwinden. Aber ich habe mir gesagt, „irgendwo sitzt jemand und verlässt sich darauf das ich das für Ihn/Sie mache, da kommt es nicht in Frage zu kneifen, da musst du jetzt durch“. Die Diabetiker kriegen das ja auch alle hin =)

Gegen die möglichen Gliederschmerzen habe ich vorsorglich Schmerztabletten bekommen, und seit ich heute Abend eine eingenommen habe geht es. Spätestens beim Gedanken wie es dem Empfänger geht, und was dieser „durchgemacht“ hat, fühlt man sich schlecht/lächerlich wenn man über diese Schmerzen jammert, die man gerade hat. Schließlich weiß ich das dies höchstens auf die paar Tage bis zur Spende begrenzt ist und ich danach ohne Einschränkungen weiterleben kann.

Was ich immer noch nicht so ganz realisieren kann, ist die Tatsache das diese Stammzellspende für einen anderen Menschen Überlebensnotwendig sein kann. Das sagt sich so leicht, aber die Aussage „du Rettest jemandem das Leben“ ist schon sehr komisch.

Ich habe nur 2 Wünsche, einmal natürlich das der Empfänger die Zellen gut annimt und Gesund wird, und 2. das die Person in einem Land wohnt, dass nicht jeglichen Kontakt zwischen Spender und Empfänger verbietet. Ich würde schon gerne irgendwann meinen genetischen Zwilling kennenlernen.

05.01.2013

Inzwischen klappt das mit dem Spritzen schon ganz gut. Es lohnt sich nach dem Aufstehen eine halbe Stunde zu warten und inzwischen etwas zu essen. Wenn der Kreislauf in Schwung ist ist das kein Problem.

Allerdings kann ich die Aussage mancher Menschen nicht nachvollziehen die meinen sie würden die Spritze garnicht spüren. Das kann ich leider nicht behaupten. Vielleicht liegt es auch daran das ich nicht „so viel Bauch“ habe wie andere. Um eine Bauchfalte zu bilden in die ich stechen kann muss ich mich etwas nach vorn beugen. Ich habe verschiedene Stellen versucht, auch meist 2 mal gestochen, wenn es beim ersten sehr schmerzhaft war, in der Hoffnung eine Bessere Stelle zu erwischen.

(Nachtrag: Siehe unten, Schmerzen waren durch zu flaches einstechen der Nadel in die Haut verursacht, bei steilerem Einstichwinkel hatte ich später keine Schmerzen mehr beim spritzen)

Es hilft auch die Flüssigkeit langsam reinzudrücken, damit sie Zeit hat sich im Gewebe zu verteilen. Man spürt trotzdem danach erstmal eine leichte „Beule/Verhärtung“ bis sich alles verteilt hat.

Inzwischen schmerzen Hüfte, Rücken, Kopf und Brustkorb. Es ist sehr unangenehm, aber auszuhalten.

Morgen Mittag fahre ich nach Tübingen.

06.01.2013 11 Uhr

Bin froh das ich mich für die Anreise mit dem Zug entschieden habe, heute gehts mir nicht gut. Alles tut weh. Bin gespannt wie das morgen alles abläuft, und auch ein bisschen froh wenn ich es geschafft hab. Nachher geht´s los nach Tübingen.

18 Uhr

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Jetzt bin ich in Tübingen. Untergebracht bin ich im Hotel am Schloss, dass direkt auf dem Berg neben dem Schloss in der schönen Altstadt Tübingens liegt.

Heute ging es mir schon den ganzen Tag nicht so gut. Ich verspürte keine Übelkeit, fühlte mich aber insgesamt schlapp, und die Schmerzen haben bis jetzt einen Höhepunkt erreicht.
Im Moment tut quasi alles bis auf Ellbogen Richtung Finger und Knie bis zu den Zehen weh. Nachdem ich ins 3. Stockwerk zu meinem Zimmer gelaufen bin (Lift gibt es in diesem alten Haus keinen) musste ich erstmal Pause machen, da 3 Stockwerke Treppen laufen mich im Moment schon sehr anstrengen.

Mir hat es etwas vor dem spritzen gegraust, da die letzten Spritzen alle sehr unangenehm/schmerzhaft waren, und wenn einem eh schon alles weg tut und man sich nicht so gut fühlt ist die Überwindung noch etwas größer es trotzdem wieder zu machen.

Wenn die Spritzen für mich gewesen wären, weiß ich nicht ob ich es nicht gelassen hätte, aber das Wissen im Hinterkopf das irgendwo jemand darauf angewiesen ist, lassen einen keinen Moment in Versuchung kommen hinzuschmeißen.

Ich hatte zufällig beim Rucksack auspacken das Infoblatt zum spritzen in die Finger bekommen und nochmal nachgelesen und mich entschlossen diesmal die Spritze nicht so flach in die Haut zu schieben, sondern deutlich mehr Richtung 90° zu gehen.

Das war der Schlüssel zum Erfolg. Ich hatte nur den kurzen Pieks beim einstechen, und dann nichts mehr gespürt. Ich hatte die Schmerzen beim Spritzen also nur weil ich aus Angst in den Muskel zu kommen sehr flach gespritzt hatte.

Personen wie ich die „nicht viel Bauch“ haben, müssen sich einfach weit vorbeugen, eine schöne Bauchfalte mit den Fingern machen und dann kann man Problem-/Schmerzlos spritzen.

Also bitte nicht abschrecken lassen, ist wircklich kein Problem und bei richtiger Handhabung wirklich nicht schmerzhaft.

Da das Restaurant im Hotel bis 16.1. Betriebsurlaub hat mache ich mich noch auf in die Altstadt auf der Suche nach einer Wirtschaft um noch etwas zu essen.

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07.01.2013 Spendetag

Um 8 Uhr muss ich heute in der Klinik sein, deshalb klingelt um 6.30 Uhr mein Wecker. Ich habe sehr schlecht geschlafen und muss mit mir kämpfen aufzustehen. Ich versuche wach zu werden und meinen Kreislauf etwas in Schwung zu bringen da ich mich ja gleich im Hotel noch spritzen soll. Ich würde gerne erst etwas Frühstücken, das hilft beim Kreislauf aufbauen, aber Frühstück gibt es erst ab 7 Uhr. Ich packe schonmal meinen Rucksack mit den Sachen die ich in die Klinik mitnehmen will und mische dann das Medikament an. Um kurz nach 7 Uhr bin ich fertig mit spritzen und gehe zum Frühstück. Um 7.20 Uhr ruft mein Taxifahrer an und vergewissert sich ob er die vereinbarte Uhrzeit mit 7.30 Uhr richtig aufgeschrieben hat. Ich bestätige dies und esse schnell fertig.

Kurz vor 8 komme ich in der Klinik an und gehe direkt in die Leukapharese. Dort werde ich schon sehr freundlich empfangen. Da wir den Raum bei der Voruntersuchung schonmal anschauen durften war nicht alles ganz neu. Ich bekam eines der 4 Betten zugeteilt und und wurde als erstes befragt.

Wie hat das Spritzen geklappt, hatten Sie Schmerzen, wie fühlen Sie sich… Da ich starke Schmerzen hatte wurde erstmal gewartet mit dem Spritzen der Abendration. Die Schmerzen sind ja auch ein Zeichen das der Körper kräftig am Arbeiten ist.

Der erste Versuch einen Zugang in die Vene mittig auf dem linken Unterarm zu legen misslang, wir kamen zwar mit der Nadel unter die Haut, aber nicht in die Vene. Eigentlich sollte hier später das Blut wieder zurücklaufen. Der Vorteil wenn man die Kanüle in den Unterarm legt ist, dass man auf dieser Seite sowohl Ellbogen als auch Hand voll bewegen kann. Alternativ wurde bei mir der Zugang in den Handrücken der linken Hand gelegt. Hier wurde gleich Blut abgenommen und ins Labor gebracht. Dann wurde die Nadel mit Kochsalzlösung gespült, damit kein Blut mehr darin ist das gerinnen kann, und verschlossen.

Jetzt durfte ich noch einmal aufs Klo und mich „häuslich einrichten“. Ich stellte meinen Laptop auf das Tischchen, und schloss meine Kopfhörer an. Ich habe extra die großen Kopfhörer mitgenommen, da ich hier nicht nur besseren Sound habe, sondern diese sind auch leichter zu handeln. Ich wusste ja nicht in wie weit ich meine Hände benutzen/bewegen kann, und dachte da ist es einfacher für jemand anderen mir den Kopfhörer aufzusetzen, als die In-Ears ins Ohr zu stopfen.

Als ich soweit fertig war bekam ich die Info das ich die „Abendportion“ des Medikaments auch noch spritzen darf (was mir ja jetzt mit der richtigen Technik garkein Problem mehr gemacht hat) und danach wurde auf der Rechten Seite der Zugang im Ellbogen in die Vene gelegt. Diese Seite durfte ich jetzt nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Man darf den Arm hin und wieder leicht drehen, und auch die Finger bewegen, aber er muss immer ausgestreckt sein. Meine Linke Hand durfte ich aber benutzen, auch wenn das aufgrund der Schläuche nur eingeschränkt möglich war.

Auf beiden Seiten wurden die Schläuche angeschlossen, und die Maschine mit meinen Daten gefüttert. Hier können sehr viele Werte eingestellt werden. Zum Beispiel, wie viel Blut soll insgesamt durch die Maschine laufen, wie viel Volumen soll die Zellspende nachher haben, wie schnell (ml/Minute) soll das Blut laufen…

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Aus meinem Körpergewicht und Größe wurde errechnet das ich etwa 5 Liter Blut im Körper habe. Also müssen 15 Liter Blut durch die Maschine, bei einer Geschwindigkeit von 50ml pro Minute (später 51) macht das 300 Minuten, also 5 Stunden.

Während der gesamten Spende konnte ich immer auf dem Monitor verfolgen wie viel Blut schon durch ist, wie viel Zeit vergangen ist usw.

Nach etwa einer halben Stunde spürte ich ein kribbeln in den Fingern meiner rechten Hand. Das ist ein Zeichen für Calciummangel. Dieser entsteht da dem Blut Wasser mit Zitronensäure beigesetzt wird wenn es durch die Maschine fließt, da dies Gerinnungshemmend wirkt. Durch die Citronensäure entsteht im Körper aber ein Calciummangel, dem durch eine Infusion mit einer Calciumlösung  entgegengewirkt wird. Durch die Infusion ließ das Kribbeln sehr schnell nach.

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Mit mir hat noch ein weiterer junger Mann gespendet, mit dem ich mich gut unterhalten konnte. So verbrachte ich die 5 Stunden mit reden, Musik hören, im Internet surfen und zeitweise habe ich versucht etwas zu schlafen/dösen.

Zwischendurch durfte man eine Bestellung aufgeben was man essen möchte. Eine der Mitarbeiterinnen besorgte dann die gewünschten Sachen im Klinikkiosk und „belieferte“ uns. Ich muss sagen, wir wurden wirklich sehr gut und freundlich umsorgt. Man fühlt sich gut aufgehoben.

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Die Kanüle in der Hand ist der Rücklauf für mein Blut, die 2. Nadel in meinem Arm, die Calciuminfusion

Nach etwa 3,5h spürte ich an meiner linken Hand einen zunehmenden Druck der auch nicht besser wurde wenn ich die Position der Hand etwas geändert habe. Plötzlich viel mir auf das mein Handrücken schon ziemlich dick war. Ich informierte die Arzthelferin die hauptsächlich für mich zuständig war und nur wenige Meter neben meinem Bett am Schreibtisch saß. Sie und ihre Kollegin reagierten sehr schnell. Durch das bewegen meiner Hand muss die Nadel etwas verrutscht sein, und das Blut floss nicht richtig durch die Vene ab sondern sammelte sich unter der Haut. Die Nadel wurde entfernt, und während eine Mitarbeiterin auf die „dicke Hand“ drücke legte die andere einen neuen Zugang im Ellbogen.

Als wieder alles mit Tapes fixiert war stellten wir fest das die Calciuminfusion nicht mehr läuft, in der kurz auftretenden Hektik muss etwas Zug auf den Schlauch gekommen sein sodass die Flüssigkeit nicht mehr abgelaufen ist. Wir versuchten durch schieben und ziehen der Nadel im Unterarm die Infusion zum laufen zu bringen, aber dass klappte nicht mehr. Ich hatte aber „Glück“ und es musste hierfür kein weiterer Zugang gestochen werden, die Infusion wurde einfach an die frisch gelegte Kanüle im Ellbogen angeschlossen.

Die letzte Stunde war etwas zäh, da ich starke Rückenschmerzen hatte und nicht recht wusste wie ich liegen soll. Der andere Spender und ich  verspürten auch schon einen immer stärker werdenden Drang uns zu bewegen.

Um 14.05 Uhr hatte ich es geschafft. Am Rechten Arm wurde noch kurz Blut genommen bevor die Nadel entfernt wurde und die linke Seite wurde abgeklemmt. Endlich konnte ich kurz aufs Klo gehen. Das war mittlerweile dringend nötig. Ich verspürte schon eine halbe Stunde den Drang aufs Klo zu gehen, sagte mir aber das hälst du jetzt auch noch durch.

Man hat übrigens natürlich auch die  Möglichkeit während der Spende aufs Klo zu gehen. Dann werden die Schläuche gespült und abgeklemmt und man kann aufstehen. Der Arm aus dem das Blut herausläuft wird an ein Polster fixiert, sodass man ihn auch hier nicht bewegt.

Nach dem Toilettengang wurde ich nochmal mit der linken Seite an die Maschine angeschlossen, um das restliche Blut aus der Maschine vollends in den Körper zurückzupumpen. Das dauerte noch ca. 10 Minuten und dann war es auch schon geschafft.

Ich bekam noch ein paar Unterlagen und ein Päckchen mit dem Medikament für den Fall das ich am nächsten Tag nochmal spenden muss, und wurde über den weiteren Verlauf aufgeklärt. Man sagte mir das ich am späten Nachmittag einen Anruf erhalten werde in dem mir mitgeteilt wird, ob genug Zellen gesammelt werden konnten, oder ob ich morgen noch mal kommen muss. Ich wurde auch informiert das ich bei der DKMS erste Info´s zu meinem Empfänger bekomme sobald sicher ist das ich morgen nicht nochmal spenden muss.

Ich fuhr mit dem Taxi ins Hotel und wollte eigentlich die Altstadt besichtigen. Ich hatte nach dem langen liegen große Lust mich zu bewegen. Allerdings stellte ich schon bei den ersten Schritten fest, das meine Beine nicht so stabil waren wie ich es gern wollte. Ich war sehr wacklig unterwegs. Hinlegen konnte ich mich wegen meinem Rücken im Hotel aber auch nicht. Ich beschloss eine Schmerztablette einzunehmen, in der Hoffnung mich dann später bewegen zu können.

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Da fühlt man sich doch gleich heimisch. Di schwäzet ja wie I

Kurze Zeit späte machte ich mich auf, das Schloss zu besichtigen, das nur wenige Meter neben dem Hotel liegt.

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Man hat eine Wunderschöne Aussicht.

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Während meinem Spaziergang durchs Schloss erhiehlt ich einen Anruf aus der Leukapharese. Die Mitarbeiterin teilte mir mit das genug Zellen gesammelt werden konnten, und ich somit morgen nicht nochmal kommen muss.

Ich habe mich spontan entschlossen heute noch abzufahren, im eigenen Bett schläft man halt doch besser.

Ich fahre müde aber glücklich Richtung Heimat

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08.01.2013

Heute geht es mir schon wieder besser. Vormittags habe ich meine Betreuerin bei der Cellex (gehört zur DKMS) angerufen. Diese hat mir mitgeteilt das meine Zellen zu einem 61 Jahre alten Mann nach Amsterdam in den Niederlanden gegangen sind.

Ich hatte 2 Wünsche für die Spende,

  • 1. Das der Empfänger die Zellen gut annimmt und gesund wird
  • 2. Ich hoffte das der Patient aus einem Land kommt in dem persönlicher Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt erlaubt ist.

In den Niederlanden ist kein Persönlicher Kontakt zwischen Spender und Empfänger erlaubt. Anonymisierter Schriftkontakt ist erlaubt, und ich habe die Hoffnung das ich irgendwann mal mit dem Empfänger in Kontakt treten kann.

Nachtrag: Wie ich mittlerweile erfahren habe erlaubt die Niederlande sowohl dem Spender als auch dem Empfänger nur einen einzigen Brief zu schreiben.

09.01.2013

Heute war ich wieder beim Arbeiten. Ich habe nur bei anstrengenden Sachen leichte Schmerzen. Ich fühle mich sehr gut, aber ich merke das mein Körper noch nicht wieder ganz fit ist.

Dinge die mich normal kaum anstrengen bringen mich immer noch aus der Puste. Ich schätze aber, dass dies bis nächste Woche auch vorbei ist.

15.10.2013

Die Niederländische Gesellschaft hat leider immernoch keine Infos an die DKMS weitergegeben bezgl dem Zustand des Empfängers. Ich hoffe das sein Körper meine Zellen gut angenommen hat und er diese 2. Chance gut nutzen konnte.

3 Antworten zu Meine Stammzellspende

  1. Katharina schreibt:

    Hi, auch ich habe gespendet und darf nur einmaligen Kontakt zu „meinem“ Patienten in den Niederlanden suchen. Wie lief das denn bei dir ab? Hat sich der Patient mal bei dir gemeldet? Hast du einen Brief geschrieben?
    Ich habe heute erfahren, dass „meine“ Patientin aus den Niederlanden kommt und ich nur ein einziges Mal schreiben darf. Jetzt fühle ich mich gerade etwas vor den Kopf gestoßen. Ich darf ihr ja im Prinzip auch nichts über mich mitteilen, sodass sie überhaupt keine Chance hat, mich früher oder später zu finden 😦

  2. Strandflieger schreibt:

    Hey Bene wann geht’s hier weiter?

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